Sonntag, 4. Januar 2015

Neujahrsvorsätze? Nein Nein.

Ich betrete mein Zimmer und bemerke gleich den Temperaturunterschied. Draußen pfeift der Wind und drängt sich erbarmungslos durch jede noch so kleine Ritze. Ich setze mich an den Schreibtisch und merke einen leichten Windzug im Gesicht, der sich seinen Weg von außen durch das alte Fenster gebahnt hat. Schalte den Computer an. Öffne das Schreibprogramm. Schreibe diesen Text.

Denn irgendwie muss ich loswerden, dass sich meine Emotionen seit Beginn des Jahres in einer Art „Schwebe“ befinden. Es fühlt sich ein wenig an wie die Ruhe vor dem großen Sturm. Ein Hauch von Erwartung und Vorfreude liegt in der Luft. Aber ich weiß noch nicht genau, wie ich das finden soll. Ich lese momentan viele fremde Vorsätze und Bucket-Lists. Wie das erste Leben im Frühling erwachen überall die Hoffnungen und Träume und manifestieren sich in Form von Blogeinträgen, Bildern oder Notizbuchgekritzel.

Letzes Jahr habe auch ich eine Liste erstellt. Eine Liste mit Dingen, die ich unbedingt in diesem Jahr erleben wollte. Ich muss gar nicht in mein Notizbuch hinein sehen, um zu wissen, dass ich nicht einmal die Hälfte davon realisiert habe. Manches gelang, vielleicht weil die Umstände es gerade zuließen. Anderes dagegen wurde einfach mal entschlossen angepackt. Aber die restlichen Punkte wurden auf weiter hinten im Jahr verschoben, vergessen und nun blicken sie einen drohend in Form eines unausgefüllten Kästchens entgegen.

Aber muss das sein? Muss man sich wirklich selbst so einen Druck machen? Ich habe mich dieses Jahr dagegen entschieden. Ich weiß zwar grob im Kopf, welche Dinge ich in Angriff nehmen möchte, welche Träume ich habe - allerdings formuliere ich sie nicht aus. Ich setze mir kein Datum als Deadline. Ich glaube nicht, dass das mit Träumen so funktioniert. Denn Träume und deren Erfüllung sind ein Prozess, der während des Lebens stattfindet. Also warum konzentriert man sich nicht lieber auf das Hier und Jetzt, das Leben in seiner puren Reinheit? Warum nicht statt der Vorgabe, jede Woche mindestens drei Mal Sport zu treiben, einfach morgens aufstehen und sagen: „Jetzt gehe ich zum Sport!“ 

Ich möchte mit diesem Text auf keinen Fall Menschen angreifen, die sich gerne Vorsätze niederschreiben. Die sich gerne daran orientieren, sich freuen, wenn sie etwas abhaken können. Ich habe nur für mich realisiert, dass es so nicht funktioniert. Dass ich mir unnötigen Druck mache und am Ende des Jahres vielleicht enttäuscht bin. Mich selbst als Versager sehe. Auf die ganzen unausgefüllten Kästchen blicke, anstatt mir in Erinnerung zu rufen, was ich alles erreicht habe. Und momentan läuft es so wirklich gut. Dieses 2015 fühlt sich anders an. Ich kann nicht genau sagen was sich geändert hat, aber ich habe das Gefühl, mehr Kraft zu haben. Alte Lasten hinter mir gelassen zu haben. Ein unbeschriebenes Blatt Papier zu sein, so klischeehaft das auch klingt.

Vermutlich wird es noch ein langer und steiniger Weg sein, bis ich wirklich mit mir selbst im reinen bin. Aber ich merke auch, dass ich momentan in einer Phase bin, in der ich mich charakterlich sehr stark entwickele. Und viele dieser Entwicklungen sind positiv. Ich erweitere mein Bewusstsein, versuche Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Werde ein wenig ruhiger. Und ich schreibe wieder. Das möchte ich hier sehr gerne beibehalten. Ich habe mich so lange mit Sachen beschäftigt, die mir keinen Spaß machen, dass ich ganz vergessen habe, wie sehr einen seine Leidenschaften mit Freude erfüllen können.

Kommentare:

  1. Ein wundervoller Text! Und die Bilder und deren Plazierung passen einfach so gut dazu! Du sagst genau das, was ich mir auch immer denke und auch dieses Jahr gemacht habe. Zuerst wollte ich eine Liste schreiben, aber dann fiel mir auf, dass alles was auf die Liste kommen würde an Vorsätzen bereits das war, was ich seit Monaten bereits in angriff genommen hatte. Und genau so sollte es eigentlich auch sein. Wieso immer bis zu einem Zeitpunkt warten und Limits setzen? Wieso, wenn ich etwas ändern will, nicht sofort damit anfangen? Jetzt in diesem Moment aufstehen und genau das tun?
    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für deinen weiteren Weg und deine Persönlichkeitsentwicklung - ich bin mir sicher es wird großartig!

    PS: Übrigens habe ich genau zu dem Thema vor einem Jahr auch einen Artikel geschrieben. Wenn es dich interessiert kannst du dich hier gern mal durchklicken http://t-w-w-a.blogspot.de/2013/12/new-year-new-life-achso-mhmmmm.html.

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  2. ich habe herausgefunden, dass ich auf reisen glücklich bin. wenn ich unterwegs bin (meist allein), was erlebe, mit anderen menschen spreche, andere arten zu leben sehe....dann fühle ich mich glücklich. und die probleme, die ich daheim jeden tag habe, treten dann nicht auf. wie ich aber dieses lebensgefühl mitnehmen kann, das weiß ich nicht. wieder daheim, gehen die probleme weiter. man müsste für immer unterwegs sein können!

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  3. Du hast Recht, wenn man das mit den Vorsätzen irgendwie zu sehr als persönliches Druckmittel empfindet, dann ist das irgendwie übers Ziel hinaus geschossen.
    Ich habe auch einige Vorsätze des letzten Jahres nicht erfüllt - und teilweise schäme ich mich ein bisschen dafür, weil es um Freundschaften ging oder darum, mir selbst etwas gutes zu tun - aber ich nehme das eigentlich nur als einen Lernprozess an. Sollte ich also noch mal ein bisschen meine Prioritäten überdenken? Oder sind mir Dinge einfach nicht mehr so wichtig, wie ich noch letztes Jahr im Dezember geglaubt habe? Jeder verändert sich und mit unserer Veränderung können sich auch Vorsätze verändern, überflüssig werden, neue dazu kommen. Ich finde, man muss alles als Prozess sehen und wenn man dann mal lässig murmelt "go with the flow", dann ergibt sich vieles von selbst :)

    Liebst,
    Kathi

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  4. Na so ein Scheiß jetzt hab ich hier ein ewig langes Kommentar geschrieben und hab nicht gemerkt das ich nicht eingeloggt war -.- grrrrr. Sorry. Also dann fass ich mich eben kurz :D wollte dir sagen, dass ich dich gut verstehen kann aber mir trotzdem immer Vorsätze mache. Aber bescheidene wie dieses Jahr (und letztes auch schon) ENDLICH DEN VERDAMMTEN FÜHRERSCHEIN MACHEN DER SO SAU TEUER IST! Und eben dafür zu arbeiten/Geld verdienen, dann man noch bisschen reisen, aufs Summerjam zu gehen (neu!) und glücklich zu sein. Ich denke das sind realistische Ziele/Pläne. Freut mich aber das du gut ins neue Jahr gestartet bist und auch wieder mehr schreibst, bitte mehr davon hier auf deinem Blog! Bin da sehr gespannt und wünsche dir nur das Beste <3 kurze Info zum Schluss: mein zweiter Marokko Teil ist online! Hoffe dir gefällt er :) hab mich rießig über deinen Kommentar gefreut und muss sagen, ich hatte Marokko auch nie so aufm Schirm. Erst durch die 1001 Nacht Geschichten die ich gelesen hab und durch Freunde wurde ich darauf Aufmerksam. So jetzt ist das Kommi ja fast wie vorhin haha :D aber egal. Schönen Sonntag dir noch meine Liebe!

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  5. Ein toller Post, Liebes! Ich bin auch nicht so ein Fan von Vorsätzen!
    Hab einen wundervollen Tag!
    <3
    http://theshimmeroflife.blogspot.de

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  6. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich bin generell ein großer Fan von Listen etc., aber Vorsätze? Nein Danke. Meist hält man sich eh nicht dran und dann ist man am Ende es Jahre enttäuscht, wie du ja auch schon so schön geschrieben hast. Lieber spontan in den Tag hineinleben :)

    Liebe Grüße.
    Wakila von www.helloblack.net

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  7. Ich finde, Vorsätze sind wie ein zweischneidiges Schwert und jeder muss halt schauen, wie's ihm oder ihr am besten passt :) Deinen Text finde ich aber sehr toll geschrieben und die Bilder passen auch super dazu!

    Liebst, ina

    Visit me at Petite Saigon

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  8. Ein wundervoller Post !
    Liebste Grüße:)
    -
    http://bedeutungsvolle-momente.blogspot.de/

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  9. Das ist ein unglaublich schöner Text mit den genau richtigen Bildern. Du hast alles, was bei guten Vorsätzen mitspielt richtig gut eingefangen. Daumen hoch und weiter so!

    Liebe Grüße,
    Casey

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  10. Hallo,
    ich bin gerade zufällig über deinen Blog gestolpert und wollte einige nette Worte dalassen.
    Dein Blog gefällt mir unglaublich gut. Besonders dein Schreibstil hat es mir angetan. Ich finde es schön, dass es bei dir nicht nur lieblose Bilder mit drei Zeilen Text zu sehen gibt. Vielmehr teilst du deine Gedanken auf eine authentische und einfach sympathische Art und Weise mit deinen Lesern. Weiter so! Ich bin schon gespannt, was noch für Beiträge folgen werden. :)

    Viele Grüße und ein schönes Restwochenende,

    Fräuleins Tagebuch

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