Freitag, 25. Juli 2014

Einundzwanzig

21. Diese Zahl muss man sich erst Mal auf der Zunge zergehen lassen. Sie wirkt so unglaublich unwirklich. Ich fühle mich immer noch, als hätte ich vorgestern meinen 18. Geburtstag gefeiert, gestern mein Abitur überreicht bekommen. Dabei bin ich schon lange kein Teenager mehr, ich bin jetzt einer von diesen coolen Menschen in den 20ern, den angeblichen besten Jahren. Im Moment kann ich davon noch nichts spüren, aber vielleicht kommt das ja noch.

Nun blicke ich also zurück auf 21 Jahre Leben. Angefangen mit einer kleinen Maike, die als Kind ständig nach ihrer Apfelsaft-Pulla geschrien hat und direkt am ersten Tag im Kindergarten Verbot für alle Spielecken bekam. Ich wurde etwas später eingeschult und war so immer eine der ältesten. In der Grundschulzeit war ich stets engagiert und motiviert, unwissend dass dies mit der Zeit immer weniger werden sollte. Ich habe gehänselt und wurde gehänselt, hatte schon immer einen starken Sinn für Gerechtigkeit, wollte immer das letzte Wort haben und habe es meistens auch bekommen. Nebenbei war ich in meiner Freizeit Naturforscherin, spielte mit meiner Schwester Harry Potter nach und kletterte selbst auf die höchsten Bäume. Außerdem begann ich damals mit dem Schreiben und verkaufte meine selbst verfassten "Tagespropheten" an meine Eltern: Ich war eine raffinierte Künstlerin und Geschäftsfrau.

Auf dem Gymnasium wurden die Karten dann neu gemischt. Mathe war plötzlich nicht mehr so einfach und außerdem musste man plötzlich etwas für seine Noten tun. In der siebten Klasse kam dann der zweite Totfeind hinzu: Französisch. Desinteresse war schon damals mein größter Widersacher. Keines der beiden Fächer hat mich je sonderlich interessiert, also hagelte es konstant 4en und 5en, währen die anderen Noten im grünen Bereich lagen. Das hat mich dann auch schließlich fast die Versetzung gekostet, keine leichte Zeit, da ich nebenbei mitten in der Pubertät steckte. Eine Zeit mit vielen Tränen, aber auch einigen schönen Momenten: Der ersten Liebe und auch die Zeit, in der wir Filou bekamen. Allerdings war dies auch die Hochkonjunktur der Rebellen-Maike, stets im Kampf gegen ihre Eltern, die fiesen Lehrer oder eben jeden, der ihr gerade nicht in den Kram passte. Die Zeit der zugeknallten Türen und bitterbösen Worte. Viel von meinem Verhalten damals tut mir leid, aber gleichzeitig bin ich froh, mich in dieser Hinsicht verändert zu haben.

In der Oberstufe wurde dann nämlich vieles besser. Freundschaften wurden enger, Friedensverträge mit den Lehrern und Eltern aufgesetzt und endlich konnte ich mitentscheiden, welche Fächer mir erhalten bleiben sollten und welche ich nie mehr haben will. Lediglich Erzfeind Mathe schleppte ich noch weiter mit mir herum. 2012 hatte ich den Sommer meines Lebens, stundenlang habe ich mit Freunden bei herrlichem Wetter am Pool gelegen und einfach die Zeit genossen, bevor es in die heiße Phase des Abiturs gehen sollte. Außerdem hatte ich während der fast 3 Oberstufen-Schuljahre die Gelegenheit, viele tolle Sachen zu erleben: Ein Praktikum in England, Skifahren in Österreich, Kursfahrt nach London, Theaterfahrt nach Berlin und schließlich die Abschiedsfahrt nach Prag. Allerdings gab es während dieser 3 Jahre auch ein großes Ziel: Das Abitur. Aber was damals noch wie der Mount Everrest für mich wirkte, ist jetzt nur noch ein kleiner Hügel im Hinterhof. 


Und dann begann wieder eine schwierige Zeit, die Zeit der Ungewissheit. Nach dem Abitur fühlte ich mich einfach so hilflos ins Leben geschmissen, ich wusste nur eins: Ich will jetzt erst Mal Pause machen. Also entspannte ich ein zwei Monate bis mich das schlechte Gewissen einholte und ich begann mich zu langweilen. Ich machte ein dreimonatiges Praktikum, das mir viele Erfahrungen eingebracht hat und an das ich heute noch gerne zurück denke. Ich glaube in dieser Zeit bin ich innerlich nochmal um einiges gewachsen. Währenddessen wurde der Zukunftsdruck immer größer. Auch wenn mein Abitur für jemand faules wie mich im Endeffekt besser war als erwartet, konnte ich mir jedoch meinen Traum, ein Journalismusstudium, nicht erfüllen. Also beschloss ich, es auf einem anderen Weg zu versuchen, was leider auch bedeutete, dass es erneut zu einem Showoff mit meinem alten Erzfeind Mathe kommen muss, dem ich so erfolgreich den Rücken gekehrt hatte.

Da mein Studiengang zulassungsfrei ist, ging dann plötzlich alles ganz schnell. Wir hatten eine Hand voll Wohnungsbesichtigungen und ich musste viele Nieten ziehen bevor ich ganz unverhofft den Jackpot ausgeschüttet bekam. Mein Vater und ich steckten dann viele Stunden und viel Kraft in diese Wohnung, bauten eine Küchenzeile ein, strichen alle Räume und trugen die Waschmaschine (die ungefährt so viel wiegt wie ein Elefant) und unzählige Ikea-Pakete in den vierten Stock. Doch jeder Schweißtropfen war es wert, jetzt habe ich die schönste Wohnung, die man sich vorstellen kann und mit einem gut drapierten Teppich sieht man auch den ollen Turnhallenboden nicht.


Und schon sind wir in der Gegenwart. Bei der 21-jährigen Maike, die in wenigen Tagen ihre Prüfungen schreibt und mit diesem Text vermutlich erneut (erfolgreich!) prokrastiniert. Bravo, Maike! Worauf freue ich mich im neuen Lebensjahr? Darauf, endlich wieder Urlaub zu machen, endlich wieder nach Holland zu fahren, das Land, mit dem ich so viele tolle Erinnerungen verbinde! Auf die Gamescom und auf jede Menge Spaß den ich mit Freunden und meiner Familie haben werde! Was will ich ändern? Mich mehr trauen, mehr ausprobieren, die Dinge endlich anpacken! Nicht mehr so schnell gereizt sein, in manchen Dingen entspannter werden. Weniger Träumen, mehr Durchgreifen und Träume verwirklichen. Mehr Meer, Sonne und grünes Gras. Und mehr lachen, das vor allem.

Ich hoffe ich habe mit diesem kleinen Resumee keinen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, schließlich werden auf einem Blog meistens nur die schönen Momente geteilt. Wir alle haben aber mal harte Zeiten und treffen oft Entscheidungen, die wir später bereuen. Umso wichtiger ist es, die Dinge, die uns nicht gefallen, zu ändern und stets nach vorne zu blicken. Niemand ist unfehlbar. So ein Mensch ist ein Lebensprojekt, ständig wird etwas weggenommen oder hinzu gefügt. Ein neues Abendteuer, jeden Tag. Und ich bin wirklich dankbar dafür.

Kommentare:

  1. Wirklich toller interessanter Text :) ich wünsche dir alles Gute und Liebe für dein neues Lebensjahr, Gesundheit und Glück und das du dir die Sachen die du dir vorgenommen hast auch verwirklichen kannst!
    Ich lese deinen Blog wirklich sehr gerne, falls du das noch nicht gemerkt hast :D

    Liebste grüße, schönes Wochenende & feier ordentlich! <3

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  2. Alles Gute meine Liebe! Ganz genau so ging es mir auch als ich 21 geworden bin (was jetzt bald auch schon wieder ein Jahr her ist - wo ist die Zeit nur hin?). Das ganze Leben zieht so schnell an einem vorbei ohne das man es merkt und auf einmal ist man auf der ganzen Welt volljährig und kann einen Abstecher nach Las Vegas machen. Oh man...

    Hoffe du hast schön gefeiert :)

    Liebe Grüße!
    Wakila von www.helloblack.net

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  3. Ein toller Text! Ich kann dich gut verstehen, zwar bin ich "erst" 16, aber es kommt mir vor, als sei ich gerade erst mit der weiterführenden Schule angefangen:D
    Hab einen wundervollen Tag, Süße!
    <3
    http://theshimmeroflife.blogspot.de

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  4. Alles Gute zum Geburtstag Maike!
    Der Text ist wirklich wahnsinnig toll geworden und lässt sich prima lesen. Ich weiß garnicht was ich sagen soll, weil es einfach ein wirklich schöner Rückblick mit allem drum und dran ist. Höhen und Tiefen! Man spürt, dass du eine Menge bereits hinter dich gebracht hast, aber vor allem auch, dass du noch sehr viel tolles vor dir hast, mit deiner tollen Persönlichkeit und deiner Art!
    Viel Glück noch auf deinem weiteren Weg (Oh Gott, das hört sich jetzt total Omahaft an, aber ich denke mal du verstehst es wie ich es meine :D )

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  5. Ich wünsche dir nur das allerbeste zum Geburtstag, Liebes. Und dass deine Geburtstagswünsche sich erfüllen lassen. Manchmal ist es schwierig, nicht den direkten Weg gehen zu können, aber wie meine Mama immer sagt: Du wirst schon noch rausfinden, wozu es gut war :)
    Ich drück dich,
    Kathi

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  6. alles gute nachträglich! und schöner text,hast du toll geschrieben :)

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  7. Dankeschön (:
    Wünsche dir noch alles gute nachträglich

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